Interview mit der Springerin Maria Schulze

03.12.2014

Maria Schulze gehört schon seit 2011 zum SOCIUS-Team und ist seitdem an der Hermann-Sander-Schule in Neukölln als Erzieherin tätig. Ausgerüstet mit Fotoapparat und Fragezettel treffe ich sie (in einem erstaunlich ruhigen Schulgebäude) zu unserem gemeinsamen Interviewtermin. Schnell wird klar: So viel Vorbereitung hätte ich mir sparen können, denn bevor ich auch nur die erste meiner Fragen stellen konnte, habe ich bereits ein ganzes DIN A4-Blatt mitgekritzelt, denn Maria packt ihren Kalender aus und legt direkt los…

…ich kann ja einfach mal anfangen zu erzählen, was ich gerade so mache, oder?

Ähm ja gern, das wäre sowieso meine erste Frage gewesen.

Also, ich habe zur Zeit alle möglichen Aufgaben hier, ich bin ja nicht nur Springerin. Zum Beispiel verwalte ich das Hortkonto und kümmere mich um alles was mit Geld zu tun hat. Dann bin ich Drogenbeauftragte, das heißt ich bekomme Einladungen vom Senat zu bestimmten Veranstaltungen. Da gehe ich dann hin und trage alles auf der Gesamtkonferenz an die KollegInnen weiter. Zum Beispiel wenn es um „rauchfreie Schulen” geht. Aber das ist hier sowieso kein Thema…

Ach nein? Klischeemäßig würde man ja denken, oh oh Neukölln, Problembezirk und so…

Ach das ist doch völlig übertrieben! Mit dem Rauchen haben wir hier jedenfalls fast gar keine Probleme. Also wenn ich da an meine Schulzeit zurückdenke… (lacht)
Nee, aber ich denke, das ist auch so eine kulturelle Sache. In der arabischen und türkischen Mentalität ist das Rauchen einfach kein großes Thema bei den Jugendlichen.

Ja stimmt. Ok, also nochmal zurück zu deinen Aufgaben. Du bist ja Springerin, was heißt denn das genau?

Achso aber ich war noch gar nicht fertig! Ich bin ja seit kurzem auch noch Kinderschutzbeauftragte. Wie das genau weitergeht, besprechen wir aber gerade noch. Dann kümmere ich mich noch um die Vergabe der Schwimmkarten an die KollegInnen und darum, dass jeder einen Schlüssel für ein Schließfach bekommt und solche Sachen.

Puh. Da hast du aber ganz schön viel zu tun!

Ja aber genau deswegen bin ich auch so gerne Springerin. Ich mag es gern universell. Also, ich mag es, morgens reinzukommen und erstmal auf den Dienstplan zu gucken, wer zum Beispiel heute ausfällt und wo ich vertreten muss und so.

Was wirklich? Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen da genau anders geht. Oft ist man doch froh, dass man weiß, was kommt und sich nicht jeden Tag wieder umstellen muss.

Nee bei mir ist es genau andersrum. Ich mag diese Abwechslung.

So. Jetzt stell ich aber mal eine von meinen vorbereiteten Fragen (Gelächter): Maria, wenn du deinen Arbeitsort, die Hermann-Sander, mit drei Worten beschreiben müsstest, welche Worte wären das?

Oh, gute Frage (lacht und überlegt).
Spaß. Es ist laut. Und sportlich, würde ich sagen. Ja doch, das trifft es ganz gut.

Wieso bist du Erzieherin geworden? Was ist für dich das besondere an diesem Beruf?

In diesem Moment kommt Muhammed Erbek in den Raum, einer der neuen Kollegen an der Hermann-Sander. Er ruft mir zu: „Sie redet gerne. Lassen Sie sich nicht von ihr ablenken.“ Maria winkt grinsend ab und knüpft direkt an:

Ja, das stimmt schon. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich diese ganzen Aufgaben habe, also Kinderschutz und Drogenbeauftragte und so weiter. Ich hab einfach einen guten Kontakt zu Menschen, ich weiß auch nicht, warum das so ist.

Warum Erzieherin? Naja, weil ich einfach gerne mit Kindern arbeite. Ich war ja selbst mal klein und fand Kindergarten damals schon super. Ich habe meine Mutter immer dafür gehasst, wenn sie mich früher abgeholt hat. Ich wollte immer bis zum Schluss bleiben.

So kann die Kindheit also prägen…
Du kochst und bäckst gerne steht in deinem Profil auf der Website.

Ja ich mach hier auch die Koch-und Back-AG. Die Kinder mögen das total. Wir mussten schon Lose ziehen lassen, weil die sonst zu überlaufen gewesen wäre (grinst)….

Da hast du ja jetzt kurz vor Weihnachten sicher alle Hände voll zu tun, oder?

Stimmt. Aber ich gebe den SchülerInnen da eigentlich nichts vor. Wir entscheiden immer zusammen was wir kochen wollen. Dann schreiben wir eine Einkaufsliste und besorgen die Sachen. Ich finde es wichtig, mit den Kindern auch einkaufen zu gehen. Damit sie wissen, was kostet wieviel und etwas über Lebensmittel lernen. Wir machen auch jedes Mal ein Rezeptbuch, damit die Kinder danach was in der Hand haben.

Maria, ganz zum Schluss noch eine etwas privatere Frage. Was machst du in deiner Freizeit?

Wie gesagt, ich koche und backe gerne. Ansonsten gehe ich gerne schwimmen oder treffe mich mit Freunden. Und ganz wichtig: Ich fahre gerne Fahrrad! Ohne mein Fahrrad geht eigentlich gar nichts (lacht)! Das weiß auch jeder. Ich komme auch immer mit dem Fahrrad in die Schule, egal bei welchem Wetter. Da kriegt man auch den Kopf ein wenig frei, das mag ich.

Liebe Maria. Ich bedanke mich bei dir für das interessante Gespräch und wünsche dir noch eine möglichst stressfreie Zeit bis zum Jahreswechsel.

H.S.

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