Psychotherapie – Ein möglicher Weg aus der Krise

12.11.2015

von Bettina Tiggemann-Raabe

Krisen und Konflikte gehören zum Leben eines jeden Menschen. Zeitweise gibt es Phasen, in denen Sorgen allein nur schwer zu bewältigen sind.
Unsere Gesellschaft ist viel offener geworden, wenn es darum geht, Probleme anzusprechen. Selbst bekannte Persönlichkeiten sprechen öffentlich über krisenhafte Lebensphasen und darüber, was bei der Überwindung hilfreich war.

Dennoch ist es für den Menschen in einer schwierigen Lebenssituation immer noch nicht einfach, schnell die richtige Unterstützung zu finden. Nahestehende Menschen wie Freunde, Kollegen oder Familie sind selbst zu beschäftigt und oft gerade diejenigen, die  man am wenigsten mit den eigenen Problemen belasten will. Häufig ist es dann sinnvoll, sich professionellen Beistand zu suchen. Ein Therapeut oder eine Therapeutin ist mit nahezu allen persönlichen Konfliktsituationen vertraut und kann neutral, diskret und lösungsorientiert bei der Klärung helfen.

Mit diesem Newsletter wollen wir Ihnen  einen kurzen Überblick rund um die psychotherapeutische Hilfen geben und Wege aufzeigen, wie möglichst schnell psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden kann.

Wann ist psychotherapeutische Beratung hilfreich?

Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens mit Krisen zu tun, die er auch ohne professionelle Hilfe meistert. Danach geht er gestärkt wieder seinen gewohnten und gesunden Lebensweg. Es gibt jedoch auch Phasen, in denen man über einen Schicksalsschlag –  eine Trennung, den Verlust eines Menschen, eine Krankheit oder ähnliches –  nicht wie gewohnt hinwegkommt. Gerade in fortgeschrittenem Alter holen einen mitunter Erlebnisse ein, die man meinte, längst verwunden zu haben. Ungelöste seelische Konflikte können sich langfristig in körperlichen Symptomen manifestieren und schlimmstenfalls in eine ernsthafte Erkrankung münden.

Wenn über längere Zeiträume Niedergeschlagenheit, Trauer, anhaltende Ängste, Schlafstörungen, Zwänge oder Überforderungsgefühle den Alltag beherrschen und die Lebensfreude beeinträchtigen, ist es ratsam, den psychologischen Rat von professionellen Fachleuten zu suchen. Dies ist eine gute Möglichkeit, seine  Lebenssituation zu reflektieren und neue Wege zu gehen.

Wie findet man den geeigneten Therapeuten?

Es besteht die Möglichkeit, im telefonischen oder persönlichen Beratungsgespräch mit der Betrieblichen Sozialberatung Probleme oder Konflikte zur Sprache zu bringen. Die BeraterInnen sind pädagogisch und systemisch qualifiziert und können im Gespräch eine erste Klärung und  Orientierung bieten.  Wenn Sie die Unterstützung eines Therapeuten oder einer Therapeutin in Betracht ziehen, können die BeraterInnen Sie an geeignete Adressen verweisen.

Wer übernimmt die Kosten für eine Therapie?

Psychotherapie ist eine Leistung der gesetzlichen und der meisten privaten Krankenversicherungen. Man kann sich direkt, ohne Überweisung, an einen approbierten (d.h. mit staatlicher Erlaubnis  zugelassenen) Psychologischen Psychotherapeuten bzw. eine Psychotherapeutin wenden und ohne vorherige Genehmigung der Krankenversicherung bis zu fünf probatorische Gesprächssitzungen vereinbaren. Spätestens dann ist zu entscheiden, ob therapeutische Hilfe der richtige Weg ist, ob Therapieform und TherapeutIn für das persönliche Anliegen geeignet sind. Anschließend erfolgt gemeinsam mit dem Therapeuten bzw. der Therapeutin der Wahl die Beantragung auf Bewilligung der Kostenübernahme bei der Krankenkasse.

Unabhängig von den Krankenkassen besteht auch immer die Möglichkeit, therapeutische Hilfe privat zu bezahlen. Der Vorteil dabei könnte sein, dass unter einer Vielzahl von Therapieformen und freien Therapeuten die freie Wahl besteht. Eine therapeutische Stunde bei privater Finanzierung kostet in der Regel zwischen 80,-  und 120,- Euro.

Welche Therapieformen sind von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen in der Regel die kognitive Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die analytische Psychotherapie. Manche gesetzliche und vor allem private Krankenversicherungen genehmigen mittlerweile weitere anerkannte Therapieformen. Bei der Lösung konkreter Probleme und Fokus auf die deutliche Verhaltensänderung in der Zukunft könnte eine verhaltenstherapeutische Therapie geeignet sein. Bei einem Wunsch nach Ursachenforschung und Vergangenheitsbewältigung sind die tiefenpsychologisch fundierte Therapie sowie die wesentlich umfangreichere analytische Psychotherapie geeignet. Bei manchen klar umrissenen Problemlagen oder als Krisenintervention wird von manchen Therapeuten eine Kurzzeittherapie mit maximal 25 Stunden angeboten.
Der/die PsychotherapeutIn Ihres Vertrauens schlägt die geeignete Therapieform vor und sendet ein Gutachten an die Krankenkasse, die den Antrag auf psychotherapeutische Behandlung bewilligt.

Weitere Informationen zu den Therapieformen  sind unter www.psych-info.de zu finden.

Woran merkt man, dass der Therapeut menschlich und inhaltlich passt?

Nach den ersten Gesprächen sollte man der Ansicht sein, in seinem Gegenüber einen Menschen gefunden zu haben, dem man sich bedenkenlos anvertrauen kann, selbst wenn das schwer fällt oder im ersten Moment beängstigt.  Das Gespräch über lang gehegte innere Konflikte  ist für die meisten Menschen zunächst  sehr verstörend und manchmal begleitet von der Sorge, danach im Alltag nicht mehr wie gewohnt „funktionieren“ zu können. Ein guter Therapeut bzw. eine Therapeutin begleitet den Weg in die Gefühlswelt behutsam und in der angemessenen Geschwindigkeit.

Wo findet man einen geeigneten Therapeuten?

Es gibt verschiedene Wege, einen geeigneten Therapeuten zu finden. Viele nutzen eine Empfehlung aus dem Bekanntenkreis oder vom Hausarzt. Bei jeder Krankenkasse gibt es Listen mit Therapeuten. Außerdem geben Internetportale detaillierte Auskunft über Therapieplätze. Hier eine kleine Auswahl:

www.psychotherapeutenkammer.de
www.psychotherapeutenliste.de
www.psychotherapiesuche.de
www.kbv.de

Was tun, wenn kein zeitnaher Therapieplatz gefunden werden kann?

Wenn man sich dafür entschieden hat, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, besteht meist der Wunsch, damit so schnell wie möglich zu beginnen. Falls es sich zeigt, dass eine Wartezeit von mehreren Monaten nötig ist oder vergeblich versucht wurde, einen zugelassenen Therapeuten zu finden, kann ein approbierter Psychotherapeut ohne Kassenzulassung die Therapie übernehmen. In diesem Fall sollte man vor Beginn der Therapie die zuständige Krankenkasse fragen, wie man erfolgreich einen Antrag auf Kostenerstattung bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung stellen kann. In der Regel reicht ein formloser Antrag mit einer kurzen Begründung (z.B. Wartezeiten über mehrere Monate), warum Sie eine außervertragliche Therapie in Anspruch nehmen wollen,  sowie eine Dringlichkeitsbescheinigung eines Psychotherapeuten oder Arztes  und einen Nachweis über mehrere Ablehnungen von Therapeuten mit Kassensitz. Genauere Auskünfte erhält man über die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung unter www.dptv.de.

Unterstützung durch die Betriebliche Sozialberatung

Selbstverständlich können Sie sich jederzeit gern an Ihre Betriebliche Sozialberatung vor Ort wenden. Vielleicht suchen Sie auch Beratung zu Problemstellungen, die MitarbeiterInnen, Familienangehörige, Freunde oder Bekannte betreffen. Hier finden Betroffene, Vorgesetzte oder Angehörige kompetente und zeitnahe Unterstützung. Sprechen Sie uns an!

Was tun bei einer akuten psychischen Krise?
Im akuten Krisenfall bieten viele Krankenhäuser eine psychische Krisenambulanz an, bei der schnelle Hilfe im Notfall geleistet wird. Neben psychosozialen Beratungsstellen zu verschiedensten Themen erhält man telefonisch unkompliziert und kostenfrei Hilfe rund um die Uhr bei folgenden Einrichtungen:
Berliner Krisendienst: (030) 390 63 00 ,
Telefonseelsorge: 0800 11 10 11 .

 

Außerdem können Sie sich an den für Ihre Region zuständigen sozialpsychiatri-

schen Dienst wenden.

Unter den folgenden Links finden Sie bundesweite Hilfsangebote für akute Krisen:
Neuhland-Hilfe in Krisen
www.suizidprophylaxe.de

Achtung:
Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung (Suizid- oder Gewaltandrohungen) verständigen Sie bitte den Notruf der Polizei (112)!

Bettina Tiggemann-Raabe ist seit über 20 Jahren im Bereich der Betrieblichen Sozialberatung tätig. Seit 2015 koordiniert sie den Bereich Betriebliche Sozialberatung von PROCEDO-Berlin mit derzeit fünf angestellten und zwei freien MitarbeiterInnen.

Kontakt:
Bettina Tiggemann-Raabe
Koordination Betriebliche Sozialberatung
Fritzlarer Str. 13
34212 Melsungen
Tel.: (05661) 919 97 85
Mobil: 0159 – 02 38 51 13

E-Mail: bettina.tiggemann-raabe@diebildungspartner.de

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